Dass Frauennationalspielerinnen die Pokalrunden im Dortmunder Fußballmuseum auslosen, scheint sich beim DFB zu einer neuen Tradition zu entwickeln. Und schaut man auf die Historie, kann man als Dortmunder das Ganze auch nur begrüßen, standen doch in den letzten Jahren schöne Fahrten und packende Heimspiele für uns bereit. Geht der Blick aber zurück auf das letzte Achtelfinale und das unglückliche Ausscheiden zuhause gegen Werder Bremen, dann bekam der ein oder andere wohl ein mulmiges Gefühl, als Turid Knaak die Kugel mit genau diesem Werder Bremen erneut aus dem Topf für das Achtelfinale zauberte. Damit verbunden wurden natürlich direkt der Wunsch und das Bedürfnis nach Revanche für die gefühlt geklaute Pokalsaison 2018/2019 und dass man diesmal die Reise ins Weserstadion antreten durfte, motivierte die bekannten Gesichter anscheinend umso mehr.
So formierte sich wieder eine für einen Dienstag ausgesprochen zahlreiche Ansammlung von Freunden und Bekannten um den BUS-BORUSSEN-Bus Richtung Norden zu besteigen.
Die Hinfahrt wurde gewohnt launisch bestritten und in den Pausen kam wieder einmal ein fester Bestandteil des Fanclub-Inventars zum Einsatz, lieferte man sich doch mit dem auf einer Auswärtstour erworbenen Fußball packende Flunkyball-Partien auf den Rastplätzen zwischen Ruhrgebiet und Nordsee. Fast schon Tradition ist auch, dass dem einen oder anderen auf dem Weg nach Bremen die Versorgung ausgeht und so konnten sich die armen Tankstellenbetreiber über finanzkräftige Unterstützung und die Busbesatzung über kalten Apfelkorn freuen.
Am Stadion angekommen machte man sich schnell auf den Weg durch die gewohnt peniblen Einlasskontrollen und nahm einen Platz zentral im Gästesteher ein.
Über die erste Halbzeit sei an dieser Stelle nicht viel gesagt sein, außer, dass man mit einem Rückstand von 0:2 in die Pause ging. Alternativ dazu hier ein Rezept für einen Maracuja-Schnaps:
380g Zucker
5 Pck. Vanillezucker (Bourbon)
1 Liter Sahne
1 Liter Schnaps (Korn)
2 Liter Maracujasaft bzw. –nektar
Alles mit dem Handmixer verrühren und über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen. Ergibt 4,5 Liter.
In der Pause dann die trotz schlechter Durchführung und zeitlich komischem Timing dennoch schöne Choreo auf Bremer Seite, welche vor allem mit der Botschaft auch im Gästeblock punkten konnte. Trotzdem musste man die Grün-Weißen und auch erneut unsere Geschäftsführung daran erinnern, wie das schönste Stadion der Welt heißt: Für immer und ewig Westfalenstadion!
Die zweite Halbzeit begann mit dem Highlight von diversen frisch gezapften Haake Beck, welches zwar immer noch das schlechteste Bier der Liga ist und selbst das Veltins-Niveau nochmals unterbietet, dennoch die Verarbeitung des in der ersten Hälfte Erlebten vereinfachte. Und auch die Mannschaft schien Motivation getankt zu haben, kam sie doch deutlich formverbessert aus der Pause.
Der Schweizer auf der Trainerbank korrigierte in der Halbzeit den Kardinalfehler in seiner Aufstellung und brachte mit Haaland den aktuell wohl heißesten Zocker der Liga. Warum dieser zunächst auf der Bank platznehmen musste und warum ohne Not der Torwart gewechselt wurde, bleibt wohl sein so gut gehütetes Geheimnis wie seine unentdeckten Schweizer Nummernkonten.
Eben dieser Haaland war es dann, der alle Anwesenden kurz hoffen lies, dass man doch noch das Pokalaus beim Abstiegskandidaten würde abwenden können, traf er doch durchsetzungsstark zum Anschluss. Der sowieso schon stark aufgelegte, aufgrund des bestehenden Materialverbots aber optisch schlicht wirkende Gäasteblock startete nun richtig durch, nur um nach wenigen Zeigerumdrehungen wieder auf dem Boden der Tatsachen zu landen, stellte Bremen doch schnell den alten Abstand wieder her. An dieser Stelle platzten Instagram, Twitter und die einschlägigen WhatsApp-Gruppen wieder voller Bilder, die unseren Sturm als Supersportwagen und unsere Abwehr als alten Golf darstellen.
Und genau dieses Bild passt auf unser nächstes 17-jähriges Juwel Gio Reyna, welcher sich, kurz zuvor eingewechselt, unbeschwert den Ball schnappte und so im Tor platzierte, dass er zumindest auf der Longlist zum Tor des Monats aufgenommen wird.
Hitzige und stimmungsvolle Minuten später wurde es mit Abpfiff dann leider doch traurige Gewissheit, dass unsere Abteilung Jugend Forscht im Angriff die Defizite der Abwehr nicht auffangen konnte und somit erneut das Aus im Pokal gegen Werder Bremen und wieder im Achtelfinale besiegelt wurde.
Und so wurden zurück am Bus folgende Halbsätze aufgewärmt, welche jedes Phrasenschwein zum Glühen gebracht hätten:
„Ich find Berlin sowieso Kacke…“
„Kann ich wenigsten früher in den Urlaub…“
„Ich hätte eh keine Karte fürs Finale bekommen…“
So oder so bringt Trübsal blasen den geneigten Auswärtsfahrer nicht weit und schon nach den ersten Kilometern zurück ins gelobte Land der Kohle und des Biers verdrängten Musik und der ein oder andere Kurze die düsteren Gedanken.
Was vom Tag bleibt ist ein 17-Jähriger, der bei wohl allen Anwesenden die Frage aufwarf, was man eigentlich selbst so mit 17 gemacht hat und wo man falsch abgebogen ist und ein 19-Jähriger, der sich ohne Anlaufzeit in die Riege der Topstürmer unserer Borussia einzureihen scheint und dabei von einigen schon mit Lewandowski und Aubameyang verglichen wird. Und so ist nicht alles Mist an diesem Pokalausscheiden, obwohl man sich fragen muss, warum genau diese beiden Jungs mit Motivation und Einsatz vorrangehen müssen und damit die altgedienten Profis in den Schatten stellen. Der unbedingte Glauben an den Sieg scheint aktuell nicht in allen Mannschaftsteilen vorhanden zu sein. Dass zumindest unser Haufen hier mit gutem Beispiel vorrangehen kann, zeigt auch das interne Tippspiel, in dem keiner an eine Niederlage der Borussia geglaubt hat und somit den Pott für die jährliche Spendenaktion der BUS-BORUSSEN wieder steigen ließ. Die Kids werden sich freuen.
In zwei Wochen hat man dann die Chance, Bremen wenigstens in Richtung zweite Liga zu schießen. Alles für Borussia! Auch hier setzen die BUS-BORUSSEN wieder einen Bus ein. Anmeldungen wie immer an info@busborussen.de.
Nachtrag:
Marco Reus hat sich verletzt. Soweit keine große Überraschung, soweit immer wieder passiert und bekannt. Trotzdem an dieser Stelle gute Besserung! Komm schnell zurück, denn eine Mannschaft braucht ihren Kapitän. Ein Dortmund ohne Reus ist ein Stück weniger Dortmund.


